Was ist somatisches Yoga?
- Ricarda-Monique Martin
- 29. Apr.
- 7 Min. Lesezeit
Somatisches Yoga oder auch aus dem englischen “Somatic” Yoga ist keine weiterer Yogastil, sondern eine erweiterte Methode, die auch ‘Yoga von innen heraus’ genannt wird. Es ist eine Praxis, die dich zurück zu dir und deinem Körper bringt, weg vom Funktionieren, hin zum Spüren. Gerade in einer Welt, in der viele Menschen dauerhaft angespannt sind, bietet somatisches Yoga einen anderen Zugang:
Wahrnehmen, statt leisten.
Regulieren, statt kontrollieren.
In diesem Artikel bekommst du einen klaren Überblick über somatisches Yoga mit Fokus auf Nervensystem und traumasensible Praxis.

Was bedeutet Somatic bzw. somatisches Yoga?
„Somatisch“ kommt vom griechischen Wort soma und bedeutet “der lebendige Körper”. In meiner Interpretation ergänze ich das zu: der lebendige, fühlende Körper, der von innen heraus wahrnimmt. Im somatischen Yoga geht es deshalb nicht darum, wie eine Yoga Position aussieht, sondern der Fokus liegt darauf, wie sich eine Position im Körper anfühlt und die Empfindungen wahrzunehmen.
Der große Unterschied zu nicht somatischem Yoga ist, dass sich somatisches Yoga darauf konzentriert, wie sich Bewegungen für dich innerlich anfühlen, anstatt darauf, wie sie nach Außen hin aussehen. In meiner Ausbildung Trauma Informed Somatic Yin Yoga gehen wir detailliert genau darauf ein. Es geht darum Achtsamkeit und Sanftheit zu kultivieren und wahrzunehmen, was dein Nervensystem gerade braucht und ob du dich sicher fühlst. Somit verschiebt sich dabei der Fokus vom außen nach innen und es geht um bewusste Körperwahrnehmung.
Somatisches Yoga ist kein spezieller Yogastil, sondern ich würde sagen eine Ergänzung und Erweiterung aktueller Yogastile. Somatic bzw. eine somatische Haltung und Aspekte können in jeden Yogastil eingebunden werden. Er beinhaltet das Verständnis über das autonome Nervensystem und die traumsensible Haltung und ist wunderbar für Menschen mit Traumahintergrund geeignet. In den letzten Jahren hat sich das Wort “somatic” zu einem Trendwort entwickelt und ich finde es wichtig zu sagen, dass nicht alles somatisch-traumasensibel ist, was so betitelt wird.
Es ist auch zu erwähnen, dass das Wort “somatisch” von dem somatischen Nervensystem abzuleiten ist. Somit spielt unser autonomes Nervensystem eine große Rolle bei somatischen Übungen, da somatisches Yoga das Nervensystem direkt beeinflusst und neu justiert. Aus diesem Grund ist es notwendig die Funktionsweise des autonomen Nervensystems zu verstehen, um eine sichere Praxis zu gewährleisten.
In meinen Sessions und Ausbildungen lege ich großen Wert darauf, somatisch als sichere Methode für Menschen mit Traumahintergrund zu lehren. Denn für mich steht vor allem eins dabei im Vordergrund: den eigenen Körper mit all seinen Empfindungen und Emotionen (wieder) zu spüren. Meiner Meinung nach eignet sich vor allem Yin Yoga für eine somatische Praxis, da dieser Yogastil bereits viele somatische Aspekte und Elemente beinhaltet. Das ist auch der Grund, warum ich mich seit vielen Jahren auf Somatic Yin Yoga spezialisiert habe.
Die Bedeutung von somatisch im Kontext Somatic Yin Yoga

Im Somatic Yin Yoga wird die klassische Yin Yoga Praxis erweitert. Es geht weniger darum Position an Position zu reihen, sondern gezielte somatische Prinzipien und Elemente miteinfließen zu lassen. Somit liegt der Fokus stärker auf Nervensystem Regulation. Hier ist wichtig zu sagen, dass es dabei nicht nur darum geht das Nervensystem zu entspannen, sondern das Nervensystem dort abzuholen, wo es gerade steht. Demnach geht es nicht immer rein um Entspannung, sondern manchmal braucht es eine sanfte und sichere Aktivierung, um das Nervensystem zurück zur Regulation zu begleiten.
Somatic Yin Yoga ist für mich die Methode der Zukunft. Denn Somatic Yin Yoga ist tiefe Körperarbeit, die das Nervensystem reguliert. Es geht dabei um das Spüren und Erforschen in einem sicheren Rahmen. Yin Yoga bietet uns den Raum zur Stille und Langsamkeit und Somatic Yin Yoga ergänzt die Tools und Praktiken, um zu erforschen, was sich in der Stille zeigt. Diese Praxis ist ergänzend zur Traumatherapie einsetzbar und hilft dabei nicht zu überfordern. Genau aus diesem Grund habe ich die Ausbildung Trauma Informed Somatic Yin Yoga konzipiert.
Wie wird somatisches (Yin) Yoga praktiziert?
Somatisches (Yin) Yoga ist ruhig, aber nicht passiv im klassischen Sinn. Der Fokus liegt auf der Innenwahrnehmung (Interozeption) und diese zu fördern. Für Menschen, die keinen oder wenig Zugang zu ihrem Körper und dem Inneren haben, ist es wichtig traumasensible Ansätze dabei zu befolgen, für eine sichere Erfahrung.
Typische Elemente einer somatischen (Yin) Yoga Praxis sind:
langsame, bewusste Bewegungen
kleine Anpassungen innerhalb der Position
längeres Verweilen, aber flexibel
Einsatz von Hilfsmitteln (Bolster, Decken, Blöcke)
somatische Übungen zur Förderung der Interozeption
ergänzende somatische Elemente innerhalb der Positionen
Pausen zur Integration
Eine somatische Praxis wirkt auf den ersten Blick langweilig. Allerdings zeigt sich die Magie und Wirkung durch regelmäßiges Üben, denn meiner Erfahrung nach ist unsere Innenwelt alles andere als langweilig. Viele Menschen haben einfach nur verlernt, die Sprache ihres Körpers zu sprechen. Genau das wird durch somatisches (Yin) Yoga gefördert.
Was ist der Unterschied zwischen (Yin) Yoga und somatischem (Yin) Yoga?

Du hast bereits einiges über somatisches Yoga gelernt und an dieser Stelle ist zu sagen: Der größte Unterschied besteht darin, dass somatisches Yoga den Fokus auf das Nervensystem und die Innenwahrnehmung richtet, anstatt auf den rein äußerlichen und ästhetischen Aspekt von Yoga Asanas.
Beim somatischen Yoga wird Langsamkeit eingeladen, damit Raum und Zeit für das Spüren der eigenen Empfindungen entstehen. Somit kann ein stärkeres und besseres Körpergefühl gefördert werden für eigene Spannungsmuster und Ungleichgewichte in Körper und Geist.
Eine Übersicht über die Unterschiede:
Klassisches (Yin) Yoga | Somatisches (Yin) Yoga |
statisches Halten oder dynamische vorgegebene Abfolgen | langsame Bewegung innerhalb der Position erlaubt |
klare Form der Asana | individuelle Anpassung im Vordergrund |
Fokus auf Dehnung | Fokus auf Nervensystem & Wahrnehmung |
eher passiv | bewusst-regulierend |
„bleiben und aushalten“ | „spüren und reagieren“ |
reine Ausführung von Asanas | bewusste Körperwahrnehmung |
Somatisches (Yin) Yoga ist oft sanfter, individueller und sicherer, besonders für Menschen mit chronischem Stress, Burn-Out oder Trauma-Erfahrung.
Die Wirkung von somatischem Yoga auf Psyche, Körper und Nervensystem
Somatisches Yoga wirkt dort, wo viele andere Methoden nicht hinkommen: direkt im Nervensystem.
Somit bringt es spürbare Effekte mit sich und kann zu Reduktion von Stress und Schmerzen führen. Innere Körperzustände, das Körpergefühl und die Wahrnehmung des eigenen (Schmerz)Empfindens wird gestärkt und kann zeitgleich durch passende somatische Übungen angegangen werden.

🧠 Somatisches Yoga & die Wirkung auf das Nervensystem
Regulation des autonomen Nervensystems
aktiviert den Parasympathikus
reduziert Stressreaktionen
hilft, aus dem Dauer-Alarmzustand auszusteigen
stärkt die Fähigkeit zur Selbstregulation
unterstützt bei Trauma-Integration
🧍♀️ Somatisches Yoga & die Wirkung auf den Körper
löst Spannungen auf sanfte Weise
verbessert Körperwahrnehmung
unterstützt Faszien und Beweglichkeit
reduziert chronische Verspannungen
fördert Einschlaf- und Durchschlafphasen
verbesserte Verdauung und Stoffwechsel
verbesserte Hormonregulation
stärkt das Immunsystem
ruhigere und tiefere Atmung
💭 Somatisches Yoga & die Wirkung auf die Psyche
schafft mehr innere Ruhe
mentale Entspannung
hilft beim Verarbeiten von Emotionen
reduziert Stresshormone und Cortisol
steigert das Energielevel
reduziert Überforderung
stärkt das Gefühl von Sicherheit im eigenen Körper
Somatisches Yoga wirkt auf mehreren Ebenen gleichzeitig und kann sowohl körperlich, emotional als auch neuronal zu tiefgreifenden Veränderungen führen. Durch regelmäßiges Üben entfaltet sich die Wirkung und kann gezielt für bestimmte Themen eingesetzt werden. Viele meiner Teilnehmer und Azubis erleben somatisches Yoga wie ein inneres Runterregeln, statt sich weiter zu pushen.
Für wen ist somatisches Yoga geeignet?
Somatisches (Yin) Yoga benötigt keine Vorkenntnisse und ist besonders hilfreich für Menschen, die:
sich oft gestresst oder überreizt fühlen
Schwierigkeiten haben, abzuschalten
viel im Kopf sind
sich vom eigenen Körper abgeschnitten fühlen
sanfte Bewegung statt intensives Training suchen
Auch geeignet für:
Anfänger:innen
Menschen nach Verletzungen
traumasensible Settings
Yogalehrer:innen, die sicherer arbeiten möchten
Was sind somatische Übungen? Ein Beispiel
Sie sind oft recht unspektakulär, aber sehr wirksam.
Beispiel: Mini-Bewegung im Liegen
lege dich auf den Rücken
stelle die Füße auf
kippe dein Becken ganz langsam nach vorne und hinten
bewege dich nur so weit, wie es angenehm ist
wiederhole das für 2–3 Minuten
Während der Übung lege den Fokus auf:
Wie fühlt sich die Bewegung an?
Wo ist Spannung?
Was verändert sich?
Das Ziel ist nicht Dehnung, sondern Wahrnehmung und Regulation.
Eine weitere somatische Übung ist zum Beispiel die Wellenbewegung der Wirbelsäule:
Die Wellenbewegungen der Wirbelsäule sind weit mehr als nur eine sanfte Mobilisation – sie sind ein kraftvolles Werkzeug, um dein Nervensystem zu beruhigen und zu regulieren. Indem du deine Wirbelsäule wellenartig bewegst, stimulierst du dein Nervensystem und verbesserst die Kommunikation zwischen Gehirn und Körper. Diese Bewegung hilft nicht nur dabei, Spannungen und Stresshormone abzubauen, sondern sie fördert auch die Innenwahrnehmung deines Körpers.
Wenn du diese Übung regelmäßig machst, spürst du, wie dein Körper besser auf innere Signale reagiert und du dich wieder mehr mit dir selbst verbunden fühlst. Dein Nervensystem wird aus dem „Kampf- oder Flucht“-Modus herausgeholt und in einen Zustand der Ruhe und Heilung versetzt. Besonders in stressigen Zeiten kann diese Übung dir helfen, wieder in ein inneres Gleichgewicht zu finden, indem du dich in deinem Körper verankerst und deinen Geist beruhigst.
5 somatische Yin Yoga Posen
Typische Elemente im somatischen (Yin) Yoga sind:
die Kindshaltung (mit Mikro-Bewegung)

Schmetterling (mit sanftem Vor- und Zurücklehnen)

Sphinx (mit hörbarem Seufzer aus dem Mund beim Ausatmen)

Liegender Korkenzieher (dynamisch statt statisch)

Gestützter Schulterstand (mit Fokus auf Atmung und Schwerkraft)

Wichtig: Der Unterschied liegt nicht in der Pose, sondern darin wie du sie praktizierst.
Somatische Übungen Übungsplan – 7 Tage Nervensystem Regulationsplan
Um die Magie und Wirkung von somatischen Übungen für dich zu erfahren, habe ich einen 0€ sieben Tage Nervensystem-Regulationsplan für dich. Lade dir hier mein LESS STRESS Magazin mit einem somatischen Übungsplan für Anfänger herunter inkl. Videos zu den einzelnen Übungen:
Fazit: Somatisches (Yin) Yoga als Antwort auf Stress
Somatisches (Yin) Yoga ist keine weitere Methode, um dich zu optimieren. Es ist eine Praxis, die dir hilft, wieder bei dir anzukommen – in Körper, Geist und Nervensystem. Gerade wenn dein System oft angespannt ist, kann das ein echter Wendepunkt sein:
weniger Druck
mehr Wahrnehmung
echte Regulation
Du lernst nicht, besser zu funktionieren, sondern du lernst, deinen Körper wieder zu verstehen und seine Sprache zu sprechen. Und genau darin liegt die eigentliche Veränderung.
Wenn du tiefer in die somatische Praxis und somatisches Yin Yoga einsteigen möchtest, empfehle ich dir meine fundierte und zertifizierte Ausbildung Trauma Informed Somatic Yin Yoga. Gerade, weil somatisches Yin Yoga direkt auf das autonome Nervensystem wirkt, kann es zu intensiven Körperempfindungen oder Emotionen kommen. Solltest du einen Hintergrund mit Trauma haben oder möchtest Menschen mit Traumahintergrund begleiten, empfehle ich dir unbedingt eine fundierte Ausbildung, wie die meine, und entsprechende Erfahrung zu sammeln.
Hinweis: Die Trauma Informed Somatic Yin Yoga Ausbildung ist keine therapeutische Ausbildung und kann ergänzend eingesetzt werden.
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