Yin Yoga im Herbst: Loslassen, Metall-Element + Yin Yoga Sequenz
Aktualisiert: 23. Aug.
Wenn die Tage langsam kürzer werden, die Temperaturen sinken und draußen die ersten Blätter fallen, verändert sich oft auch etwas in uns. Nach der nach außen gerichteten Energie des Sommers zieht es uns wieder mehr nach innen. Wir sehnen uns nach Ruhe, Wärme und vielleicht auch danach, einmal wieder etwas langsamer zu machen.
Der Herbst ist wie gemacht für Yin Yoga.
Denn Yin Yoga lädt uns genau dazu ein: weniger tun, länger bleiben, wahrnehmen und dem Körper Zeit geben. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird der Herbst außerdem dem Metall-Element sowie den Organen Lunge und Dickdarm zugeordnet. Die zentralen Themen dieser Jahreszeit sind Klarheit, Abgrenzung, Trauer und das Thema Loslassen.
Doch gerade beim letzten Punkt möchte ich einen Schritt weitergehen. Denn Loslassen lässt sich nicht erzwingen.
Aus somatischer und nervensystemorientierter Sicht entsteht Loslassen häufig erst dann, wenn dein Körper genügend Sicherheit wahrnimmt, um Spannung nicht länger festhalten zu müssen.
In diesem Artikel erfährst du, warum Yin Yoga und der Herbst so gut zusammenpassen, welche Rolle das Metall-Element und der Lungen- & Dickdarmmeridian dabei spielen und wie du mit einer sanften Yin Yoga Sequenz für den Herbst Körper und Nervensystem unterstützen und bewusst in die neue Jahreszeit eintauchen kannst.

Yin Yoga im Herbst – in Kürze
Der Herbst wird in der TCM dem Metall-Element zugeordnet.
Die zugehörigen Yin- und Yang-Organe sind Lunge und Dickdarm.
Emotional stehen die Themen des Metall-Elements im Mittelpunkt: unter anderem Loslassen, Klarheit, Abgrenzung und Trauer.
Eine ruhige Yin Yoga Praxis kann dabei helfen, aus dem ständigen Tun mehr ins Spüren zu kommen.
Besonders passend sind Positionen für Brustkorb, Schultern, Arme, seitlichen Oberkörper und den gesamten Rücken.
Durch lange, weitgehend passive Positionen und bewusste Pausen kann Yin Yoga gleichzeitig einen Raum für Entschleunigung, Körperwahrnehmung und Nervensystem Regulation schaffen.
Warum passt Yin Yoga so gut in den Herbst?

Vielleicht kennst du das selbst: Während sich der Sommer oft leicht, lebendig und voller Aktivität anfühlt, verändert sich mit dem Herbst auch unsere Stimmung. Denn der Herbst ist eine Übergangszeit.
Blätter verändern ihre Farbe und fallen ab. Die Tage werden kürzer. Alles wird ein wenig ruhiger. Wir verbringen wieder mehr Zeit drinnen. Die Natur zieht ihre Energie zurück. Und auch unser Körper darf darauf reagieren.
Aus Sicht von Yin und Yang ist der Sommer stark vom Yang geprägt: Wärme, Aktivität, Licht, Expansion und Bewegung. Im Herbst beginnt die Energie wieder mehr in Richtung Yin zu wandern: Dunkelheit, Ruhe, Rückzug und Innenorientierung nehmen zu.
Yin Yoga greift genau diese Qualität auf und kann diesen natürlichen Übergang wunderbar begleiten, weil auch die Praxis selbst eine Qualität des Verlangsamens und Nach-innen-Lauschens mitbringt.
Anders als bei einem dynamischen Yoga Herbst Flow bleiben wir im Yin Yoga mehrere Minuten in einer Position. Die Muskulatur darf – soweit es für den eigenen Körper möglich und angenehm ist – weniger arbeiten. Wir nutzen Hilfsmittel wie Bolster, Decken und Blöcke und geben dem Körper Zeit. Wir beobachten Empfindungen, Gedanken und Emotionen, ohne unmittelbar darauf reagieren zu müssen.
Dadurch entsteht etwas, das in unserem Alltag oft fehlt:
Raum zum Wahrnehmen.
Für mich liegt genau darin eine der wertvollsten Qualitäten von Yin Yoga, denn:
Du musst für einen Moment nichts erreichen.
Gerade wenn dein Alltag von viel Denken, Funktionieren, Reizen oder Anspannung geprägt ist, kann die Yogamatte zu einem Ort werden, an dem dein System wieder etwas weniger leisten muss.
>> Wenn du noch ganz neu in der Praxis bist und erst einmal verstehen möchtest, was Yin Yoga eigentlich ist, wie es wirkt und was es von anderen Yogastilen unterscheidet, findest du hier meinen ausführlichen Guide: Was ist Yin Yoga?
Yin Yoga & das Metall-Element im Herbst

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) werden die Jahreszeiten fünf verschiedenen Wandlungsphasen beziehungsweise den fünf Elementen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser zugeordnet.
Der Herbst gehört zum Metall-Element. Metall steht in der TCM unter anderem für:
Klarheit
Struktur
Grenzen
Abgrenzung
Wert und Wesentlichkeit
Trauer
Loslassen
Das lässt sich wunderbar an der Natur beobachten: Bäume ziehen ihre Energie zurück und werfen ihre Blätter ab. Die Natur hält nicht an allem fest, was im Sommer entstanden ist. Was seinen Zweck erfüllt hat, darf gehen.
Genau dieses Bild können wir auch mit auf die Yogamatte nehmen und als Einladung sehen, sich zu fragen:
Was möchte ich mit in die nächste Jahreszeit nehmen und was brauche ich vielleicht nicht mehr?
Das muss übrigens kein großes Lebensereignis sein. Vielleicht ist es ein voller Terminkalender. Eine Erwartung an dich selbst. Eine Gewohnheit. Ein Gedanke. Ein Projekt, das längst keine Priorität mehr hat.
Oder vielleicht gibt es gerade überhaupt nichts loszulassen. Auch das darf sein.
Denn aus einer somatischen und traumasensiblen Perspektive lässt sich Loslassen nicht erzwingen. Ein Körper, der sich schützen möchte, braucht nicht noch mehr Druck, endlich zu entspannen.
Manchmal entsteht Loslassen erst dann, wenn genügend Sicherheit da ist, um nicht mehr festhalten zu müssen. Und manchmal ist selbst das Festhalten gerade eine wichtige Information.
Lunge und Dickdarm: die Meridiane des Herbstes
Dem Metall-Element werden in der TCM Lunge und Dickdarm zugeordnet.
Dabei betrachtet die TCM Organe nicht ausschließlich anhand ihrer anatomischen Funktion, sondern als Teil eines größeren energetischen Funktionskreises. Wenn wir im Yin Yoga vom Lungen- oder Dickdarmmeridian sprechen, bewegen wir uns deshalb innerhalb dieses traditionellen Modells.
Der Lungenmeridian
Die Lunge steht sinnbildlich für den Austausch mit unserer Umwelt.
Mit jedem Atemzug nehmen wir etwas auf.
Mit jedem Ausatmen geben wir etwas wieder ab.
Vielleicht ist genau deshalb der Atem ein so schönes Element für eine Yin Yoga Herbst Praxis.

Der Lungenmeridian beginnt nach dem traditionellen Meridianmodell im Bereich des Brustkorbs und verläuft über die Innenseite des Arms bis zum Daumen.
Die Lunge wird in der TCM mit der Aufnahme von Qi – der Lebensenergie, die nach traditionellem Verständnis durch unseren Körper fließt – verbunden und damit eben auch mit dem Empfangen und Aufnehmen.
Mit jedem Atemzug erleben wir quasi einen Wechsel zwischen Empfangen und Loslassen.
Deshalb können Positionen, die den Brustraum, die Schultern und die Innenseiten der Arme einbeziehen, eine schöne Ergänzung für eine Yin Yoga Sequenz im Herbst sein.
Der Dickdarmmeridian
Der Dickdarm steht auf körperlicher Ebene für Ausscheidung und wird innerhalb der TCM deshalb ebenfalls mit dem Thema Loslassen verbunden.

Der Dickdarmmeridian verläuft traditionell vom Zeigefinger über die Außenseite von Hand und Arm Richtung Schulter, Hals und Gesicht.
Symbolisch passt seine Funktion besonders gut zum Herbst:
Behalten, was wir brauchen und ausscheiden, was wir nicht mehr benötigen.
Damit begegnet uns erneut das Thema Loslassen.
Gemeinsam ergeben Lunge und Dickdarm ein spannendes Gegensatzpaar:
aufnehmen und abgeben.
Und vielleicht geht es im Herbst gar nicht ausschließlich um die Frage:
Was möchte ich loslassen?
Sondern genauso um:
Was möchte ich stattdessen in mein Leben einladen?
Yin Yoga, Trauer und Loslassen – Emotionen im Herbst
Dem Metall-Element wird traditionell die Emotion Trauer zugeordnet.
Und vielleicht ist es gar nicht so ungewöhnlich, dass sich gerade im Herbst eine gewisse Melancholie bemerkbar macht.
Das bedeutet natürlich nicht, dass ein „schwaches Metall-Element“ die medizinische Erklärung für depressive Verstimmungen oder psychische Erkrankungen wäre. Die Zuordnung von Emotionen und Organfunktionskreisen stammt aus dem traditionellen Verständnis der TCM.
Es bedeutet auch nicht, dass du mit einer bestimmten Yin Yoga Pose „Trauer aus deinem Körper lösen“ kannst. Emotionen sind viel komplexer als das.
Was eine ruhige körperorientierte Praxis jedoch ermöglichen kann, ist ein Raum, in dem wir Empfindungen bewusster wahrnehmen können. Deswegen mag ich diesen Gedanken trotzdem als Einladung zur Selbstbeobachtung:
Was zeigt sich, wenn es um mich herum ruhiger wird?
Manche Gefühle werden erst wahrnehmbar, wenn wir selbst langsamer werden.
In einer ruhigen Yin-Praxis müssen wir diese Gefühle weder analysieren noch verändern. Wir können zunächst beobachten, wie sie sich im Körper zeigen:
Vielleicht als Enge im Brustkorb.
Als Kloß im Hals.
Als Schwere.
Als Druck hinter den Augen.
Oder vielleicht bemerkst du gar nichts davon.
Auch das ist vollkommen in Ordnung
Gerade in meiner Arbeit mit Somatic Yin Yoga ist mir wichtig, dass wir Yoga nicht zu einer weiteren Aufgabe machen, die wir „richtig“ erledigen müssen.
Du musst deine Hüften nicht öffnen.
Du musst deine Faszien nicht lösen.
Und du musst auch nichts loslassen.
Dein Körper darf selbst entscheiden, wann er bereit ist, etwas weicher werden zu lassen.
Denn somatische Praxis bedeutet nicht, möglichst viel fühlen oder lösen zu müssen. Sie bedeutet zunächst, wahrzunehmen, was gerade tatsächlich da ist.

Was Yin Yoga mit deinem Nervensystem zu tun hat
Hier geht meine eigene Arbeit einen Schritt über die klassische TCM Perspektive hinaus.
Denn ich verbinde Yin Yoga mit somatischer Körperarbeit und einem traumasensiblen Blick auf das Nervensystem.
Unser autonomes Nervensystem reguliert permanent Prozesse, die weitgehend außerhalb unserer bewussten Kontrolle stattfinden. Gleichzeitig reagiert es auf Informationen aus unserer Umgebung und aus unserem Körper.
>> Wenn du erst einmal genauer verstehen möchtest, wie dein Nervensystem funktioniert, warum es manchmal dauerhaft unter Strom steht und wie du es regulieren kannst, findest du in meinem Artikel zum Nervensystem beruhigen viele Hintergründe und konkrete Übungen.
Wenn wir uns sicher genug fühlen, können Ruhe, langsame Bewegungen, ein angenehmer Atemrhythmus und unterstützte Körperpositionen Bedingungen schaffen, unter denen Regulation und Entspannung leichter werden.
Das bedeutet allerdings nicht:
Yin Yoga aktiviert automatisch den Entspannungsmodus (Vagusnerv) und schaltet jeden Menschen in Entspannung.
Ein wichtiger Punkt, der mir in meiner Arbeit immer wieder begegnet, ist:
Still zu werden kann sich wunderbar anfühlen – für manche Menschen kann genau diese Stille aber zunächst unangenehm sein. Gedanken werden lauter, Körperempfindungen deutlicher oder Unruhe entsteht.
Deshalb bedeutet somatisches (somatic) Yin Yoga für mich nicht, möglichst lange möglichst tief in einer Position auszuharren.
Es geht vielmehr darum, deine eigene Regulationsfähigkeit und Körperwahrnehmung zu unterstützen.
Du darfst eine Position verändern.
Du darfst dich bewegen.
Du darfst früher herauskommen.
Du darfst die Augen öffnen.
Und du darfst jederzeit entscheiden, dass eine andere Position gerade besser für dich ist.
Diese Wahlmöglichkeiten sind ein wichtiger Bestandteil einer traumasensiblen und nervensystemorientierten Yogapraxis.
>> Genau diese Verbindung aus Yin Yoga, Nervensystemwissen, somatischer Körperarbeit und traumasensibler Begleitung bildet auch die Grundlage meiner Trauma Informed Somatic Yin Yoga Ausbildung. Wenn du Yin Yoga nicht nur praktizieren, sondern fundiert verstehen und selbst traumasensibel weitergeben möchtest, findest du hier alle Informationen zur Ausbildung.
Yin Yoga & Immunsystem: Kann Yoga das Immunsystem stärken?
Gerade im Herbst wird häufig nach „Yin Yoga Immunsystem“ oder Yoga zur Stärkung der Abwehrkräfte gesucht.
Hier lohnt sich eine differenzierte Betrachtung.
Yoga ersetzt weder Schlaf, ausgewogene Ernährung noch medizinische Vorsorge oder Behandlung. Auch einzelne Yin-Yoga-Positionen können dein Immunsystem nicht gezielt „anschalten“.
Was eine regelmäßige Yogapraxis jedoch unterstützen kann, sind Faktoren wie Stressregulation, Erholung, Schlaf und allgemeines Wohlbefinden und chronischer Stress wiederum steht in komplexer Wechselwirkung mit verschiedenen körperlichen Prozessen, darunter auch die Immunfunktionen.
Eine regelmäßige Yoga- und Entspannungspraxis kann Teil eines Lebensstils sein, der Regeneration und Stressregulation unterstützt.
Innerhalb der TCM besitzt die Lunge darüber hinaus eine besondere Bedeutung für das sogenannte Wei Qi, das häufig als eine Form der schützenden Körperenergie beschrieben wird.
Das ist ein traditionelles TCM Konzept und nicht mit dem Immunsystem der modernen Medizin gleichzusetzen.
Beide Perspektiven können nebeneinander bestehen, ohne dass wir sie miteinander vermischen müssen. Dennoch kann Yin Yoga ein Teil eines Lebensstils sein, der deinem Körper regelmäßig Phasen von Ruhe und Regeneration ermöglicht.
>> Gerade wenn du merkst, dass dein Körper trotz Ruhe nur schwer herunterfährt, lohnt es sich, das Nervensystem etwas genauer zu verstehen. In meinem Guide zum Nervensystem regulieren und beruhigen findest du dazu konkrete somatische Übungen für deinen Alltag.
Yin Yoga Posen für den Herbst: Element Metall + Meridian Lunge und Dickdarm

Wenn du deine Yin Yoga Praxis im Herbst an der Traditionellen Chinesischen Medizin ausrichten möchtest, kannst du gezielt Positionen wählen, die die Meridianverläufe von Lunge und Dickdarm einbeziehen. Da beide Meridiane durch Bereiche von Brustkorb, Schultern und Armen verlaufen, finden sich in einer Yin Yoga Herbst Sequenz besonders häufig sanfte Herz- und Schulteröffner sowie Positionen mit seitlichen Dehnungen und unterschiedlichen Armvariationen.
Passende Yin Yoga Posen für das Metall-Element sind zum Beispiel:
Offene Flügel
Verdrehte Arme
Sattel mit offenen Armen
Adlerarme
Liegende Banane
Liegender Halbmond
Korkenzieher
Kamel
Umarmende Flügel
Sphinx mit Schulterfokus
Öffnende Herzstellung
Regenbogenbrücke
Schulteröffner (offene Arme, Kaktusarme)
Du musst natürlich nicht alle diese Positionen in eine einzige Praxis integrieren. Wähle lieber einige wenige aus und gib deinem Körper ausreichend Zeit, in den einzelnen Haltungen anzukommen.
Aus Sicht der TCM können solche Positionen genutzt werden, um die Energieleitbahnen von Lunge und Dickdarm in die Praxis einzubeziehen und die Themen des Metall-Elements – wie Loslassen, Klarheit und Abgrenzung – auch auf körperlicher Ebene zu begleiten.
Mein somatischer Tipp: Gerade bei Schulter- und Herzöffnern muss „mehr Öffnung“ nicht automatisch besser sein. Beobachte vielmehr, bei welcher Intensität dein Körper noch das Gefühl hat, Wahlmöglichkeiten zu besitzen. Manchmal entsteht die wohltuendste Praxis genau dort, wo du ein kleines Stück weniger tief gehst.
Yin Yoga Übungen als Herbst Sequenz – ca. 30 Minuten

Für diese Yin Yoga Sequenz im Herbst brauchst du idealerweise:
eine Yogamatte
ein Bolster oder großes festes Kissen
1–2 Yogablöcke
eine Decke
optional warme Socken
Gerade im Herbst darf deine Praxis gemütlich sein. Zieh dir ein bequemes Yin Yoga Outfit an, mach es dir warm und reduziere äußere Reize.
Versuche während der Praxis nicht, möglichst tief in die Positionen zu kommen. Suche dir eine Variante, in der du für einige Minuten bleiben kannst, ohne gegen deinen Körper arbeiten zu müssen.
🧘♀️ Die folgende Sequenz verbindet Positionen für den Oberkörper mit ruhigen Vorbeugen, Twists und bewussten Übergängen.
Ankommen & Orientieren – 2 Minuten

Beginne in einer bequemen Sitzposition oder lege dich auf den Rücken.
Bevor du die Augen schließt, lass deinen Blick langsam (wirklich langsam!) durch den Raum wandern.
Was siehst du?
Welche Farben und Formen fallen dir auf?
Wo befindet sich die Tür?
Wo fällt Licht in den Raum?
Spüre anschließend die Kontaktflächen deines Körpers mit dem Boden.
Somatischer Impuls: Was in meinem Körper fühlt sich gerade neutral, angenehm oder ein kleines bisschen sicher an?
Schmetterling mit Bolster – 4 Minuten

Lege ein Bolster längs hinter deinen Rücken und komme langsam in Rückenlage. Dein Brustkorb darf sich sanft öffnen. Die Arme können neben deinem Körper liegen oder, wenn es angenehm ist, weiter nach außen sinken.
Diese Position eignet sich wunderbar für eine Herbstpraxis, da Brustkorb und Armregionen einbezogen werden, durch die nach traditioneller Vorstellung unter anderem der Lungenmeridian verläuft.
Achte darauf: Der untere Rücken sollte sich nicht unangenehm komprimiert anfühlen. Platziere das Bolster gegebenenfalls etwas höher oder unterstütze deinen Kopf zusätzlich.
Öffnende Herzstellung – 3 Minuten

Komme in den Vierfüßlerstand und lasse deine Hände langsam nach vorne wandern, während dein Becken ungefähr über den Knien bleibt. Lege Stirn oder Brustkorb auf einem Bolster ab.
Die Position kann Brust, Schultern, Arme und oberen Rücken ansprechen.
Du solltest ein deutliches Dehnungsgefühl wahrnehmen dürfen, aber keinen Schmerz.
Somatischer Impuls: Kann ich hier 5 % weniger tun?
Liegender Halbmond – 3 Minuten pro Seite

Lege dich auf den Rücken und bewege Füße und Oberkörper leicht zu einer Seite, sodass dein Körper eine sanfte Halbmondform bildet.
Die Arme liegen über dem Kopf, genauso seitlich wie die Beine.
Beobachte besonders den Raum zwischen deinen Rippen.
Atemimpuls: Kannst du wahrnehmen, wie sich dein Brustkorb beim Einatmen dreidimensional bewegt? Nicht nur nach vorne, sondern vielleicht auch seitlich und nach hinten?
Sitzender Korkenzieher – 3 Minuten pro Seite

Platziere dein Bolster längs vor dir und drehe deinen Oberkörper sanft in Richtung des Bolsters.
Lege Bauch, Brustkorb und gegebenenfalls eine Gesichtshälfte darauf ab.
Twists können sich gerade nach längeren Öffnungen angenehm und sammelnd anfühlen.
Wechsle anschließend langsam die Seite.
Somatischer Impuls: Was verändert sich in dir, wenn du nichts veränderst im Außen?
Savasana – 5 Minuten

Lege dich für die letzte Position bequem auf den Rücken.
Vielleicht möchtest du ein Bolster unter deine Knie legen und dich mit einer Decke zudecken.
Und dann musst du nichts mehr tun.
Vielleicht magst du dir zum Abschluss eine Frage stellen:
Was möchte ich mit in diese neue Jahreszeit nehmen und was muss ich gerade nicht mehr so festhalten?
Du brauchst darauf keine Antwort. Vielleicht darf die Frage einfach mit dir auf der Yogamatte liegen.
Du möchtest Yin Yoga regelmäßig in deinen Alltag integrieren?
Wenn dir diese Herbst Sequenz gutgetan hat und du noch tiefer in die Praxis eintauchen möchtest, begleite ich dich in meinem kostenlosen 14-Tage Somatic Yin Yoga Reset jeden Tag mit einer kurzen Praxis.
Die Einheiten dauern nur etwa 20 Minuten und verbinden Yin Yoga mit somatischen Übungen und Nervensystemregulation – ideal, wenn du dir mehr Ruhe und bewusste Pausen in deinem Alltag wünschst.
5 kleine Herbst-Rituale neben der Yogamatte
Eine Herbstpraxis muss nicht aufhören, sobald du deine Yogamatte zusammenrollst.
Du kannst die Qualitäten dieser Jahreszeit auch mit kleinen Ritualen in deinen Alltag holen:
Bewusst nach draußen schauen: Nimm dir morgens eine Minute Zeit und orientiere dich bewusst in deiner Umgebung, bevor du direkt aufs Handy schaust.
Wärme integrieren: Warme Getränke, Suppen, eine Wärmflasche oder warme Kleidung können deinem Körper in der kühleren Jahreszeit ganz praktisch ein Gefühl von Komfort vermitteln.
Saisonal kochen: In der TCM werden dem Metall-Element unter anderem scharfe Lebensmittel und weiße Nahrungsmittel zugeordnet. Traditionell werden beispielsweise Rettich, Ingwer, Birne oder Lauch genutzt. Betrachte solche Empfehlungen als Teil der TCM-Ernährungslehre, nicht als medizinische Therapie.
Ausatmen wahrnehmen: Statt deinen Atem bewusst zu kontrollieren, beobachte für einige Atemzüge einfach dein Ausatmen. Wie fühlt sich der Moment an, in dem der Körper die Luft wieder abgibt?
Ein kleines Herbst Ritual zum Loslassen: Schreibe auf, was in deinem Alltag gerade zu viel Raum einnimmt. Anschließend frage dich nicht sofort: Wie werde ich das los? Sondern: Was davon könnte diese Woche 5 % weniger werden?
Gerade dieser kleine Schritt ist oft viel realistischer für unser Nervensystem als radikale Veränderung.

Herbst Aesthetic trifft echte Self Care
Kerzen. Kuscheldecke. Tee. Dicke Socken. Goldenes Licht.
Ich liebe diese Herbst Aesthetic genauso wie wahrscheinlich viele andere Menschen.
Aber Self Care im Herbst darf noch ein bisschen tiefer gehen.
Vielleicht bedeutet Herbst-Selfcare heute nicht, die perfekte Cozy-Abendroutine zu kreieren.
Vielleicht bedeutet sie:
früher schlafen zu gehen.
einen Termin abzusagen.
eine Grenze auszusprechen.
fünf Minuten auf dem Boden zu liegen.
weniger Input zu konsumieren.
oder wahrzunehmen, dass du eigentlich gerade traurig bist.
Die schönste Herbst Stimmung entsteht nicht unbedingt dadurch, dass dein Zuhause aussieht wie ein Pinterest Board.
Vielleicht entsteht sie dann, wenn du dir erlaubst, deinen eigenen Rhythmus ein kleines bisschen ernster zu nehmen.
Häufige Fragen zu Yin Yoga im Herbst
Welche Meridiane gehören im Herbst zum Metall-Element?
In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) werden dem Herbst und dem Metall-Element der Lungenmeridian und der Dickdarmmeridian zugeordnet. Der Lungenmeridian gilt als Yin-Meridian, der Dickdarmmeridian als zugehöriger Yang-Meridian.
Welche Emotion gehört in der TCM zum Herbst?
Traditionell wird dem Metall-Element die Trauer zugeordnet. Gleichzeitig stehen Themen wie Loslassen, Klarheit, Grenzen und Wert im Mittelpunkt. Diese Zusammenhänge stammen aus der TCM und sollten nicht als medizinische Erklärung für psychische Beschwerden verstanden werden.
Warum eignet sich Yin Yoga zum Loslassen?
Yin Yoga schafft zunächst Bedingungen, in denen weniger getan werden muss. Durch längere Positionen, Pausen und bewusste Körperwahrnehmung kann ein Raum entstehen, in dem wir bemerken, wo wir körperlich oder emotional festhalten. Loslassen selbst sollte dabei nicht erzwungen werden.
Kann Yin Yoga das Immunsystem stärken?
Yin Yoga ist kein direkter „Immun-Booster“. Regelmäßige Yoga- und Entspannungspraxis kann jedoch Stressregulation, Erholung und Wohlbefinden unterstützen. Diese Faktoren stehen wiederum mit unserer allgemeinen Gesundheit in Zusammenhang.
Wie lange hält man Positionen im Yin Yoga?
Häufig werden Yin-Yoga-Positionen ungefähr drei bis fünf Minuten gehalten. Das ist jedoch keine feste Regel. Anfänger können deutlich kürzer beginnen. Entscheidend sind deine individuelle Anatomie, dein Empfinden und deine Tagesform.
Ist Yin Yoga für Anfänger geeignet?
Ja. Yin Yoga kann sehr gut für Anfänger geeignet sein, solange die Positionen individuell angepasst werden. Hilfsmittel wie Bolster, Blöcke und Decken können dabei helfen, den Körper zu unterstützen.
Muss ich beim Yin Yoga einen Deep Stretch spüren?
Nein. Yin Yoga ist kein Wettbewerb um den tiefsten Stretch. Mehr Intensität bedeutet nicht automatisch mehr Wirkung. Besonders in einer somatischen Praxis geht es darum, wahrzunehmen, welche Intensität dein Körper gerade gut verarbeiten kann.
Fazit: Der Herbst darf eine Einladung sein, langsamer zu werden
Der Herbst erinnert uns jedes Jahr daran, dass Veränderung zum Leben gehört.
Die Natur zieht sich zurück. Die Blätter fallen.
Die Tage werden kürzer.
Die Natur wird stiller.
Und vielleicht dürfen auch wir wieder etwas mehr nach innen lauschen und uns davon etwas abschauen.
Eine Yin Yoga Herbst Sequenz kann dir einen Raum geben, in dem du langsamer wirst, deinen Körper wieder bewusster wahrnimmst und deinem Nervensystem Momente von Ruhe und Orientierung anbietest.
Das Metall-Element mit seinen Themen Lunge, Dickdarm, Klarheit, Trauer und Loslassen kann dabei einen wunderschönen Rahmen bilden.
Vielleicht besteht deine gesamte Herbstpraxis heute einfach darin, dich auf deine Yogamatte zu legen, dich zuzudecken und für einen Moment zu merken:
Ich bin hier. Mit einem Moment der Ruhe, einem Atemzug und mit der Frage:
Was brauche ich in diesem Herbst, um mich in meinem Körper ein kleines bisschen mehr zuhause zu fühlen?
Du möchtest tiefer in Somatic Yin Yoga eintauchen?
In meiner Trauma Informed Somatic Yin Yoga Ausbildung lernst du Yin Yoga weit über einzelne Positionen und Sequenzen hinaus kennen. Wir verbinden funktionelle Anatomie und Faszienwissen mit TCM, Meridianlehre, Nervensystemregulation, somatischer Körperarbeit und traumasensibler Begleitung.
So lernst du nicht nur, welche Position du unterrichtest, sondern auch, warum, für wen und auf welche Weise.
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